Telekom 5G mmWave Tests: Millimeterwellen-Technologie in Deutschland
5G mmWave (Millimeterwellen) verspricht Gigabit-Datenraten und extrem niedrige Latenz – aber die Technologie hat besondere Eigenschaften und Einsatzszenarien. Hier sind die aktuellen Testergebnisse der Deutschen Telekom und was Verbraucher und Unternehmen erwarten können.
Einleitung: Was ist mmWave-5G?
Millimeterwellen-5G (mmWave) bezeichnet 5G-Betrieb im Frequenzbereich von 24,25 bis 52,6 GHz. In Deutschland nutzt die Telekom primär das 26-GHz-Band (n258) für mmWave-Tests. Diese Technologie unterscheidet sich fundamental von den anderen 5G-Bändern:
| Merkmal | 5G sub-6 GHz (700/1800/3600 MHz) | 5G mmWave (26 GHz) |
|---|---|---|
| Max. Datenrate | bis ~1 Gbit/s | bis ~10 Gbit/s |
| Latenz | 5–10 ms (SA) | 1–2 ms |
| Reichweite | Hunderte Meter bis km | Typisch 50–200 m |
| Gebäudedurchdringung | Gut bis sehr gut | Sehr schlecht (selbst Glas dämpft) |
| Nutzer gleichzeitig | Hunderte | Tausende (massive Kapazität) |
| Typischer Anwendungsfall | Allgemeine mobile Nutzung | Stadien, Messen, Industrieanlagen |
Telekom mmWave-Tests: Ergebnisse und Standorte
Teststandorte in Deutschland
Die Telekom hat mmWave-5G an verschiedenen strategischen Standorten getestet:
- Allianz Arena München: Test mit 8 Gbit/s Spitzendatenrate im Stadion; Latenz unter 2 ms für Gaming und VR-Erlebnisse
- Hannover Messe: Vernetzung von Industrierobotern und Maschinen mit unter 1 ms Latenz – Demonstration von Industrie 4.0-Anwendungen
- Frankfurter Flughafen: Hochdichte WLAN-Alternative für Airlines und Flughafen-Betrieb
- Telekom-Campus Bonn: Internes Testfeld für Netzwerktechnologie-Entwicklung
- Berliner Bahnhöfe: Pilotprojekt für nahtloses Hochgeschwindigkeits-5G in dicht bevölkerten Transiträumen
Messergebnisse (Auswahl)
| Standort | Peak Download | Ø Download | Latenz | Nutzer gleichzeitig |
|---|---|---|---|---|
| Allianz Arena (Test) | 8,2 Gbit/s | 2,1 Gbit/s | 1,8 ms | 500 simuliert |
| Hannover Messe (Test) | 6,5 Gbit/s | 1,8 Gbit/s | 0,9 ms | 200 simuliert |
| Außenbereich (offen) | 4,2 Gbit/s | 1,2 Gbit/s | 1,5 ms | bis 50 m Reichweite |
Anwendungsfälle für mmWave-5G
Für Unternehmen (B2B)
- Industrie 4.0: Echtzeit-Steuerung von Robotern und Maschinen mit ultra-niedriger Latenz – kabelgebundene Industriesteuerung wird durch Funk ersetzt
- Lagerhäuser und Logistik: Tausende autonome Gabelstapler und Scanner kommunizieren simultan ohne Latenzen
- Krankenhäuser: Hochauflösende medizinische Bildübertragung in Echtzeit (Telemedizin, Remote Surgery)
- Medienproduktion: Live-Übertragung von 8K-Video ohne Satellit oder Richtfunk
Für Verbraucher (B2C)
- Stadien und Konzerthallen: Tausende Fans können gleichzeitig in 4K streamen, ohne dass das Netz zusammenbricht
- AR/VR-Erlebnisse: Immersive Augmented Reality bei Großveranstaltungen (z. B. interaktive Stadion-Replays)
- Bahnhöfe und Flughäfen: Ultraschnelles Internet-Surfen in hochfrequentierten öffentlichen Räumen
- Fixed Wireless Access: mmWave als alternatives Breitband für Bürogebäude ohne Glasfaser
Herausforderungen und Grenzen
mmWave ist keine universelle Lösung. Die physikalischen Eigenschaften des 26-GHz-Bandes schaffen spezifische Herausforderungen:
- Sichtverbindung nötig: Ein Baum, ein Regenschauer oder ein Gebäude unterbricht das Signal
- Hohe Sendemastedichte: Alle 50–200 m wird ein neuer Sender benötigt – teure Infrastruktur
- Gerätekompatibilität: mmWave-fähige Smartphones brauchen spezielle Antennenarrays (teurer, mehr Platzbedarf)
- Stromverbrauch: mmWave-Verbindungen verbrauchen mehr Akku als sub-6-GHz-5G
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Frage 1: Wann kommt mmWave-5G für normale Verbraucher in Deutschland?
Flächendeckendes mmWave-5G für Privatkunden wird in Deutschland nicht kommen – das entspricht nicht dem Nutzungsprofil der Technologie. mmWave ist für spezifische Hochdichte-Szenarien (Stadien, Messen, Fabrikhallen). Telekom plant bis 2027, etwa 50 Hochdichte-Standorte (Stadien, Großbahnhöfe, Messen) mit mmWave auszustatten. Für normale mobile Nutzung reicht sub-6-GHz-5G vollkommen.
Frage 2: Welche Smartphones unterstützen mmWave?
Aktuell (2026) unterstützen relativ wenige Smartphones in Deutschland mmWave: iPhone 14/15/16 Pro (nur mit speziell für Europa konfigurierter Hardware – die europäischen Versionen fehlen oft mmWave), Samsung Galaxy S25 Ultra (D-Modell unterstützt n258), Google Pixel 9 Pro. Da mmWave-Abdeckung in Deutschland minimal ist, lohnt sich der Aufpreis für mmWave-fähige Geräte für Privatnutzer aktuell nicht.
Frage 3: Können Regen oder Nebel mmWave-5G stören?
Ja – starker Regen dämpft 26-GHz-Signale messbar. Bei Starkregen kann die Reichweite eines mmWave-Senders auf 50 % oder weniger sinken. Das ist einer der Gründe, warum mmWave keine Outdoor-Flächenversorgung bieten kann. In Innenräumen (Stadien, Messehallen) ist dieser Effekt irrelevant – und das sind die primären mmWave-Einsatzszenarien.
Frage 4: Was ist der Unterschied zwischen 5G mmWave und 5G FR2?
Das ist dasselbe. In der offiziellen 3GPP-Terminologie heißen die Frequenzbänder über 24 GHz „FR2" (Frequency Range 2), während sub-6-GHz-Bänder als „FR1" bezeichnet werden. „mmWave" ist der gebräuchlichere Alltagsbegriff für FR2. Alle deutschen mmWave-Tests der Telekom laufen im n258-Band (26,5–29,5 GHz), das zur FR2-Kategorie gehört.
Frage 5: Ist 5G mmWave sicherer als normales 5G?
Die Sicherheitsbewertung ist identisch: Alle 5G-Frequenzen – inklusive mmWave – liegen weit unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte für elektromagnetische Felder. Da mmWave-Signale sehr schwach sind und keine Materialien (selbst nicht menschliches Gewebe) tief durchdringen, sind sie hinsichtlich biologischer Wirkung eher geringer als sub-6-GHz-Frequenzen. Alle relevanten Gesundheitsbehörden (WHO, BfR, ICNIRP) haben 5G mmWave als unbedenklich bewertet.
Fazit & Ausblick
5G mmWave ist eine Spezialtechnologie für spezifische Hochdichte-Anwendungen – kein Ersatz für das flächendeckende 5G-Netz. Die Telekom-Tests zeigen eindrucksvolle Ergebnisse: Gigabit-Verbindungen für hunderte simultaner Nutzer mit Sub-2-ms-Latenz sind real erreichbar.
Bis 2028 werden erste permanente mmWave-Installationen in deutschen Stadien und Messen betriebsbereit sein. Für normale Verbraucher wird sub-6-GHz-5G weiterhin der relevante Standard bleiben – mmWave verbessert das Erlebnis an spezifischen Hotspots spürbar.
Letztes Update: Mai 2026
Kommentare (3)
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Sehr informativer Artikel! Ich habe schon lange auf eine solche Übersicht gewartet. Besonders der Teil über 5G SA war sehr hilfreich für mich.
Danke für den Tipp mit der eSIM-Aktivierung! Hat bei mir auf anhieb funktioniert. Weitere Artikel zu diesem Thema wären super.
Interessanter Artikel. Ich würde mich über einen Vergleich der verschiedenen Anbieter freuen. Die Telekom ist ja nicht immer die günstigste Wahl.